Imago Paartherapie Beziehungsfrage November 2016

Mein Mann hat es schwer mit unseren Kindern!

Kein Familientreffen ohne Streit!

Mei­ne Fra­ge:

imago-familien-dialog - Imago Paartherapie

Im Früh­jahr war ich mit mei­nem Mann auf einem Ima­go Paartherapie‐Workshop bei euch. Das hat nach 30 Jah­ren Ehe vie­les zwi­schen uns ver­än­dert. Manch­mal kann ich gar nicht glau­ben, dass es der glei­che Mann ist, mit dem ich vor­her zusam­men war.

Doch eine Sache hat sich lei­der nicht geän­dert, und das macht mir immer wie­der sehr zu schaf­fen. Wir haben zwei erwach­se­ne Söh­ne, 24 und 27 Jah­re alt, und mit ihnen ist mein Mann noch ganz der Alte. Denn immer, wenn wir als Fami­lie zusam­men­kom­men, gibt es Streit zwi­schen ihm und unse­ren Söh­nen.

Ich ste­he dann dazwi­schen, fühl mich nicht gut und weiß nicht was ich tun soll. Ich möch­te mich weder gegen mei­nen Mann noch gegen mei­ne Söh­ne stel­len.

Gibt es in Ima­go auch etwas, das uns als Fami­lie hel­fen kann? Denn so, wie es jetzt ist, kann es nicht wei­ter­ge­hen.

Wir mei­nen dazu: 

Evelin und Klaus Brehm - Imago Paartherapie

Ja, auch für Fami­li­en gibt es Mög­lich­kei­ten mit Ima­go zu arbei­ten. Und so wie du schreibst, haben wir den Ein­druck, dass es zumin­dest für dich not­wen­dig ist, etwas zu ver­än­dern.

Ob das dein Mann und dei­ne Söh­ne genau­so sehen, wis­sen wir nicht. Doch Span­nun­gen und Streit in der Fami­lie gefal­len übli­cher­wei­se den wenigs­ten. War­um die Stim­mung bei euren Fami­li­en­tref­fen so schlecht ist hat viel­leicht weni­ger mit der aktu­el­len Situa­ti­on zu tun.

Eure Söh­ne befin­den sich ver­mut­lich in der Pha­se einer spä­ten Ablö­sung, und sol­che Zei­ten sind immer mit Aus­ein­an­der­set­zung ver­bun­den. Aller­dings schreibst du auch, dass dein Mann mit dei­nen Söh­nen ganz der Alte ist, und dar­aus schlie­ßen wir, dass auch frü­her die Stim­mung nicht immer zum Bes­ten war.

Streit gehört dazu

Das es in Fami­li­en Span­nun­gen gibt, ist an und für sich nichts Unge­wöhn­li­ches. Denn es gibt wohl kei­ne Grup­pe, wo Men­schen so lan­ge und inten­siv zusam­men­le­ben, wie in einer Fami­lie.

Und es ist auch gut, dass Streit zwi­schen Eltern und Kin­dern immer wie­der vor­kommt. Denn Kin­der kön­nen so eige­ne Stand­punk­te fin­den, Gren­zen erfah­ren oder auch selbst set­zen und bes­ten­falls ler­nen, wie man beim Zusam­men­le­ben mit unter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen umgeht.

In vie­len Fami­li­en wech­seln Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Zei­ten har­mo­ni­scher Gemein­sam­keit ab. Immer wenn z.B. ein Ent­wick­lungs­schub eines Kin­des ansteht, wird es hef­ti­ger, dann ent­spannt sich die Situa­ti­on wie­der, und alle Fami­li­en­mit­glie­der freu­en sich, ohne Stress Zeit mit­ein­an­der ver­brin­gen zu kön­nen.

Doch wenn in einer Fami­lie Streit und Aus­ein­an­der­set­zung der übli­che Weg der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist, wenn die Stim­mung über lan­ge Zeit hin­weg schlecht ist, dann gibt es ande­re Ursa­chen als etwa zeit­lich begrenz­te Ent­wick­lungs­kon­flik­te.

Die Sehnsucht nach Wertschätzung

Was sich jedes Fami­li­en­mit­glied von der eige­nen Fami­lie wünscht, ist Aner­ken­nung und Wert­schät­zung. Beson­ders klei­ne Kin­der müs­sen spü­ren, von den eige­nen Eltern geliebt, geschätzt und geach­tet zu wer­den. Damit ist nicht gren­zen­lo­se Bewun­de­rung gemeint, son­dern die auf­rich­ti­ge und offe­ne Zuwen­dung der Eltern. Und dazu gehört auch, Gren­zen zu bestim­men und zu set­zen.

Doch lei­der haben man­che Eltern meist unbe­wuss­te Vor­stel­lun­gen, wie der eige­ne Nach­wuchs sein soll­te. Und wenn die Kin­der dem nicht ent­spre­chen, reagie­ren Eltern immer wie­der mit Ent­täu­schung und Gering­schät­zung: „So wie du dich auf­führst, wirst du es nie zu etwas brin­gen!“

Kön­nen sol­che Kon­flik­te nicht auf­ge­löst, sol­che Erwar­tungs­hal­tun­gen nicht bewusst wer­den, dann ist die Fol­ge davon eine wech­sel­sei­ti­ge Abwer­tung. Und viel­leicht ist es genau das, was dein Mann und dei­ne Söh­ne mit­ein­an­der erle­ben? Nie­mand fühlt sich aner­kannt, und alle ver­su­chen über Kri­tik, den ande­ren dazu zu brin­gen, die­se Aner­ken­nung zu geben. Wie du sicher selbst weist: Das funk­tio­niert nie!

Der Familiendialog

Zu dei­ner Fra­ge, ob es Ima­go auch für Fami­li­en gibt: Ja, das gibt es. Der von uns schon vor län­ge­rer Zeit ent­wi­ckel­te Imago‐Familiendialog ist ähn­lich dem Ima­go Dia­log, wie ihr es in unse­rem Ima­go Paar­the­ra­pie Work­shop erlebt habt. Doch nimmt an die­sem Gespräch nicht nur das Paar, son­dern die gan­ze Fami­lie teil.

Die­ser Fami­li­en­dia­log wird von uns beglei­tet, und mit dem The­ma­ti­sie­ren ver­schie­de­ner Schwer­punk­te füh­ren wir sehr genau und sicher durch einen neu­en und oft unge­wohn­ten Begeg­nungs­raum. Im Mit­tel­punkt des Fami­li­en­dia­logs steht dabei vor allem das Ver­hält­nis der ein­zel­nen Fami­li­en­mit­glie­der zuein­an­der.

Was schätzt jeder am ande­ren. Wie glaubt jeder, dass die ande­ren ihn oder sie wahr­neh­men. Was genau erwar­tet sich jeder von der Fami­lie, und was kann jeder dazu bei­tra­gen, dass die­se Erwar­tun­gen für alle mög­lich wer­den? Das sind eini­ge der The­men, die dabei bespro­chen wer­den.

Wir haben schon vie­le sol­cher Fami­li­en­dia­lo­ge beglei­tet. Dabei über­rascht uns immer wie­der, wie schnell sich die Atmo­sphä­re in einer Fami­lie ver­än­dert, wenn alle Betei­lig­ten das Gefühl haben, gehört, aner­kannt und geschätzt zu wer­den. Bei lang andau­ern­den und tie­fer gehen­den Kon­flik­ten braucht es manch­mal etwas län­ger. Aber fast immer löst sich Erstar­rung und der Aus­tausch führt zu neu­en Per­spek­ti­ven auf sich selbst, auf den Umgang mit­ein­an­der, auf die gan­ze Fami­lie.

Viel­leicht besprichst du mit dei­nem Mann die­se Idee? Denn wenn die Ima­go Paar­the­ra­pie so viel posi­ti­ve Ver­än­de­rung in eure Bezie­hung gebracht hat, kön­nen wir uns gut vor­stel­len, dass das auch für eure gan­ze Fami­lie mög­lich ist.

Ima­go für Fami­li­en

Ima­go Work­shops für Paa­re


Kommentare

Imago Paartherapie Beziehungsfrage November 2016 — 2 Kommentare

  1. Inter­es­san­ter Arti­kel. Ich tu mich auch schwer aller­dings mit mei­nem Vater. Ich bin 25 und stu­die­re in Mün­chen. Gott sei Dank bin ich nicht so oft zu Hau­se. Denn wenn ich da bin meckert er stän­dig an mir her­um, ich soll dies tun, das tun, und wenn ich etwas mache passt es auch nicht. Mei­ne Mut­ter sagt immer, ich soll ihn ver­ste­hen. Aber was soll ich an sei­ner Kri­tik den ver­ste­hen? Eigent­lich nervt er mich nur.

    • Viel­leicht fragst du dei­ne Mut­ter ein­mal, was du den an dei­nem Vater ver­ste­hen sollst. Dann frag ihn ganz klar, was genau er sich den vor­stellt? Und dann sag ihm auch ganz klar, was du dir vor­stellst. Oft fehlt in sol­chen Situa­tio­nen eine kla­ren Aus­spra­che! Und wenn es nicht allei­ne geht, dann ver­sucht es mit Unter­stüt­zung! Denn meis­tens wird so etwas von selbst nicht bes­ser.

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