Imago Paartherapie Beziehungsfrage Januar 2017

Ich bin nicht glücklich!

Wie kann ich das ändern?

Imago Paartherapie - Evelin und Klaus BrehmMeine Frage:

Eigentlich trau ich mich gar nicht, diese Frage zu stellen. Ich weiß selbst, dass mir niemand sagen kann, wie ich glücklich werde. Also wozu dann eigentlich fragen?

Aber gerade zum Jahreswechsel wurde mir ganz klar: Irgendetwas muss sich ändern. Aber was? Und dann habe ich gedacht, ich frage einfach mal Euch. Vielleicht habt Ihr ja eine Idee dazu?

Wir sind seit vier Jahren zusammen und in letzter Zeit läuft es so lala. Ich meine, wir streiten nicht besonders oft oder heftig, wir leben mehr nebeneinander her. Manchmal ist es auch ganz nett, aber besonders aufregend ist es auch nicht.

Irgendwie macht sich eine Leere in mir breit und ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Ich bin einfach nicht glücklich und weiß nicht, warum.

Was wir dazu meinen:

Evelin und Klaus Brehm - Imago Paartherapie

Wir finden, das ist ein sehr nachvollziehbares Anliegen. Gut, dass Du dich entschlossen hast uns zu schreiben. Wir haben den Eindruck, diese Frage beschäftigt viele Menschen: Wie kann ich glücklich sein?

Biologisch gesehen ist es ganz einfach. Ein passender Mix aus Endorphinen, ein wenig Oxytocin dazu, noch eine Prise Dopamin und Serotonin und fertig ist das Glücksgefühl. Wodurch das Empfinden von Glück entsteht, wäre also klar. Fragt sich nur noch, wie wir unser Gehirn dazu bringen können, diese Botenstoffe freizusetzen.

Oder andersherum, in Deinem Fall die Frage: „Was fehlt, damit dieser hormonelle Glückscocktail auch bei Dir wirken kann?“

Glück ist „Jetzt“

Glück ist bei den meisten Menschen etwas, das im Moment entsteht. Und zwar in den Augenblicken, in denen wir uns mit etwas oder jemanden ganz verbunden, ja fast „eins“ fühlen.

Wenn wir zum Beispiel durch eine wunderschöne Gegend wandern und dabei vollkommen in der Landschaft aufgehen. Oder wenn wir uns mit etwas beschäftigen und ganz in dieser Tätigkeit versunken sind. Wir vergessen dann alles um uns herum und sind eins mit dem, was wir gerade tun.

Viele verschiedene Meditationsformen beschäftigen sich damit. Jeden Augenblick ganz zu erleben und nicht an Vergangenes und Zukünftiges denken. Sozusagen verbunden zu sein mit dem „Jetzt“.

In einer Beziehung heißt das, dieses „Jetzt“, diesen Augenblick mit dem Partner, der Partnerin in Verbundenheit zu teilen. So gesehen eine Dreierbeziehung: du, ich, jetzt. In Verbindung zu sein mit mir, mit dir und dem „Jetzt“. Ohne mich dabei über das Morgen zu sorgen, oder von Erinnerungen an Vergangenes beeinflusst zu sein.

Glück, das so entsteht, empfinden wir als Liebe.

Projektion trennt!

Doch leider scheint dies leichter gesagt als erlebt. Überraschend in unsere Arbeit mit der Imago Paartherapie ist immer wieder die Kraft der Projektion, wie wenig Partner in einer Beziehung sich gegenseitig wirklich erkennen. Projektion ist die Interpretation der Handlungen des/der Anderen ausschließlich aus der eigenen Lebens- und Familiengeschichte.

Und das führt dazu, dass wir nicht mit einer realen Person, sondern mit einer Imagination in Beziehung sind. Wir haben eine Vorstellung davon, wie dieser Mensch sein sollte, was wir von ihm oder ihr erwarten. Doch diese Vorstellung wird in der Differenzierungsphase, als während der Zeit des Machtkampfes, enttäuscht.

Was in der Welt unseres Gegenübers die wirklichen Motive seines oder ihres Tuns sind, das bleibt verborgen. Und aus unserer langjährigen Erfahrung mit Paartherapie können wir mit großer Sicherheit sagen, Motiv und Interpretation sind in den allermeisten Fällen gegensätzlich.

Warum ich glaube, dass du dich so verhältst, ist meist genau gegensätzlich zu dem, was deine Absicht ist. Das lässt sich leicht erkennen, wenn wir die Interpretationen unseres eigenen Verhaltens durch den Partner, durch die Partnerin anhören. Meistens erleben wir, dass es anders ankommt, als es gemeint war.

Auf Dauer führt es dazu, dass wir immer mehr in der Zukunft (es wäre so schön wenn…) und der Vergangenheit (wieso konntest du nur…) leben. Begegnungen im „Jetzt“ findet immer weniger statt, denn es fehlen alle Voraussetzungen dafür. Ich bin nicht da (sondern in der Vergangenheit oder Zukunft), du bist nicht da (ich erkenne dich nicht wirklich), und so können wir uns auch nicht im „Jetzt“ begegnen.

Begegnung im Moment

Keine Begegnung, kein „Jetzt“, kein Glück! Was also tun? Ein erster Schritt zur Auflösung von Projektionen ist, die eigene Sichtweise für einen Moment auf die Seite zu stellen und wechselseitig ganz in die Welt des Partners, der Partnerin einzutauchen. Ohne Erwartung, ohne Erinnerung, nur „Jetzt“. Das ist es, was wir in einer Imago Paartherapie versuchen zu vermitteln.

Vielleicht liegt Dein Glück ja darin, euch wirklich zu erkennen? Vielleicht spürst du/ihr beide das Glück, wenn ihr euch wieder „Jetzt“ begegnet?


Kommentare

Imago Paartherapie Beziehungsfrage Januar 2017 — 4 Kommentare

  1. Liebe Eveline, lie­ber Klaus!
    Was mich ne­ben den Imagogesprächen, wenn sie gut ge­lau­fen sind (rei­ne Übungssache), auch noch sehr er­füllt, weil es ei­ne gu­te Übung ist im jetzt zu blei­ben, ist das „5 Min-Spiel“. Einer der Partner äu­ßert ei­nen Wunsch (zu­mut­bar für den Anderen), so ge­nau wie mög­lich, und der Andere er­füllt die­sen 5 Min lang und dann wird ge­wech­selt. Das fühlt sich sehr gut an und braucht dann nicht vie­le Worte.

    Liebe Grüße
    Martin

  2. Liebe Evelin und lie­ber Klaus,

    was für ein schö­ner Text!
    Danke für die­se Zeilen, sehr wahr und so ein­fach.
    Aber dürft ihr denn über­haupt so et­was schrei­ben? Denn so­bald wir die­se Wahrheit in un­ser Leben in­te­grie­ren, seid ihr ja ar­beits­los…! 😉

    Liebe Grüße ****** Karin

    • Liebe Karin,
      wir ar­bei­ten viel, doch es gibt dies­be­züg­lich so­oo viel zu tun, dass wir das in un­se­rem Arbeitsleben ver­mut­lich nicht mehr al­les schaf­fen wer­den. Doch wir sind zu­ver­sicht­lich, dass im­mer mehr Menschen Verständnis da­für ent­wi­ckeln, was in ei­ner Beziehung wirk­lich wich­tig ist.
      Liebe Grüße Evelin und Klaus

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