Imago Paartherapie Beziehungsfrage März 2017

Ich finde keine Frau!

Was mache ich falsch?

Meine Frage:

Ich hätte gerne wieder eine Partnerin, aber was ich auch versuche, ich finde niemanden, der zu mir passt. Ich lerne schon öfter Frauen kennen, viele sind auch an mir interessiert. Doch ich kann mich einfach nicht entscheiden.

Damit kein Missverständnis entsteht: ich bin Ende 30, sehe einigermaßen ansprechend aus und komme mit Menschen ganz gut zurecht. Ich hatte bisher zwei längere und mehrere kürzere Beziehungen. Aber irgendwann gab es immer Streitereien und dann haben wir uns getrennt.

Ich habe mich jetzt bei einer Partnerschafts-Plattform im Internet eingeschrieben. Meistens gibt es schon beim allerersten Kontakt irgendetwas, das mich stört. Finde ich noch jemals eine Frau, die zu mir passt?

Was wir dazu meinen:

Evelin und Klaus Brehm - Imago Paartherapie

Leider können wir nicht in die Zukunft sehen. Und so wissen wir auch nicht, ob du eine passende Partnerin finden wirst. Wir sind allerdings ziemlich sicher, dass die Wahrscheinlichkeit dafür groß ist.

Warum? Weil es sehr viele Möglichkeiten gibt, einen Menschen zu finden, der dem eigenen Imago entspricht. Denn das „Imago“ entscheidet, ob und in wen wir uns verlieben. Dieses innere, unbewusste Bild (Imago) setzt sich zusammen aus den positiven und negativen Eigenschaften der wichtigsten Bezugspersonen deiner Kindheit, also vermutlich deiner Eltern. Es entsteht in den ersten Lebensjahren und beeinflusst maßgeblich alle späteren Liebesbeziehungen im Erwachsenenalter.

Wenn du dich also verliebst, ist es ein Zeichen dafür, jemanden gefunden zu haben, der diesem „Imago“ entspricht. Und je heftiger du dich verliebst, desto größer ist die Übereinstimmung zwischen Partnerin und innerem Bild.

Was du zu Beginn einer Partnerschaft als anziehend empfindest, sind die Eigenschaften, die du als Kind positiv mit deinen wichtigsten Bezugspersonen erlebt hast.

Phenylethylamin ist schuld!

Allerdings kommt das tolle Gefühl, dass du dabei spürst, nur indirekt von deiner Partnerin. Vielmehr ist dafür ein Hormoncocktail verantwortlich, bei dem Phenylethylamin eine entscheidende Rolle spielt.

Weil du dich nämlich nicht nur in die von dir als positiv erlebten Eigenschaften verliebst, sondern auch unbewusst die scheinbaren Schattenseiten wahrnimmst, trübt der Hormoncocktail zumindest am Anfang einer Beziehung die Wahrnehmung beider Partner. Und diese „Wahrnehmungseinschränkung“ lässt dich nur die von dir als positiv interpretierten Anteile sehen. Dadurch spürst du am Beginn der Beziehung, in der Verliebtheitsphase, das Glück, dass wir uns in der Regel von einer Partnerschaft erhoffen.

Wahrscheinlich ist dir schon aufgefallen: Das Ganze ist eine Projektion und hat wenig mit dem Menschen zu tun, in den du dich verliebst. In Wirklichkeit kennen wir diese Person, mit der wir eine Beziehung eingehen wollen, eigentlich gar nicht. Wir haben nur die Hoffnung und den Glauben, dass es wunderbar sein wird, dass die Liebe ewig währt.

Doch das ist eine Illusion. Denn sobald sich der Hormoncocktail verändert, in der Regel nach ein bis zwei Jahren, ändert sich auch die Wahrnehmung beider Partner. Wir kommen von der Verliebtheit in die Machtkampfphase. Streitereien beginnen, die Stimmung wird schlechter, die rosarote Wolke färbt sich dunkelgrau. Ein guter Zeitpunkt für die Trennung, so glauben die meisten Menschen irrtümlich. Doch eigentlich beginnt eine tatsächliche und ernsthafte Beziehung erst jetzt.

Projektionen auflösen, Konflikte wagen!

Denn nun geht es an die Auflösung der Projektion. Die Erkenntnis darüber, wer der oder die Andere wirklich ist, was ihn oder sie bewegt und berührt!

Und das ist meistens weniger angenehm, als die Zeit der Verliebtheit. Denn was wir dafür brauchen, du wirst es nicht hören wollen, ist der Beziehungskonflikt! Er weist uns den Weg zu gemeinsamer Entwicklung. Denn aus Sicht der Imago Paartherapie ist Beziehung ein partnerschaftlicher Lern- und Wachstumsprozess. Und über Beziehungskonflikte lässt sich herausfinden, wie die Schattenseiten des eigenen Imagos die Erwartungshaltung an das gemeinsame Miteinander beeinflussen.

Die Kunst dabei ist, diese Auseinandersetzungen konstruktiv als Erkenntnisgewinn zu nutzen. Doch die meisten Menschen konnten das aus unterschiedlichsten Gründen weniger, manche vielleicht auch gar nicht lernen. Das führt dann häufig zur Konfliktvermeidung oder zu destruktiven Abwertung. Und beides sind langfristig Garanten für eine Trennung.

Imago: 3 Voraussetzungen für Liebe!

Also, zurück zu deiner Frage, wirst du jemals eine Frau finden? Wir glauben ja, wenn du bereit bist, dich auf diese drei Annahmen einzulassen:

  • Deine Geschichte (Imago) prägt deine Partnerwahl.
  • Eine Paarbeziehung ist ein gemeinsamer Wachstums- und Entwicklungsprozess.
  • Beziehungskonflikte sind notwendig und zeigen den Weg zu gemeinsamer Entwicklung.

Die Sehnsucht nach einer Traumfrau, einem Traummann ist eine Illusion, geprägt von der eigenen Projektion. Wirkliche Liebe entsteht aus gemeinsamer Erkenntnis und gemeinsamem Wachstum! Sich darauf einzulassen erfordert Mut, denn eine Garantie dafür, dass es gelingt, gibt es leider nicht!

Mehr zum Imago Workshop für Singles


Kommentare

Imago Paartherapie Beziehungsfrage März 2017 — 5 Kommentare

  1. „Entweder man liebt sich oder nicht“ klingt doch ziem­lich ab­so­lut. Glauben wir nicht oft nur, dass uns der an­de­re nicht liebt, weil wir zu viel an uns selbst und un­se­re ei­ge­nen Bedürfnisse den­ken und da­bei die des Partners oder der Partnerin aus den Augen ver­lie­ren? So ab­so­lut sind Kinder, die bei je­der Störung der Beziehungsidylle schrei­en: „Mama, ich hab dich gar nicht mehr lieb!“. Erwachsene Menschen soll­ten an­ders mit Gefühlen um­ge­hen und der Partnerin mehr Freiraum für die Liebe las­sen, die sie zu ge­ben be­reit ist. Finde ich zu­min­dest.

  2. Danke, dass Eure Antworten im­mer so gut auf den Punkt ge­bracht sind. Aus mei­ner Erfahrung kann ich nur sa­gen, dass ich nun mit mei­ner drit­ten Frau im fünf­ten Jahr bin und wir ge­ra­de da­bei sind lust­voll die Schattenseiten des Anderen zu ent­de­cken, um her­aus­zu­fin­den, wer mein Geliebter Partner ab­seits der Projektion. Das ist wohl ein Lebenslanges Feld und Imagodialoge und un­se­re Lebenserfahrung ma­chen es mög­lich kon­struk­tiv und mit Freude und letzt­end­li­chem Gewinn für un­se­re Beziehung zu strei­ten! Und das ob­wohl wir auf­grund un­se­rer Elterngeschichte ex­trem Konfliktscheu wa­ren.

  3. Ich ver­ste­he das nicht. Was soll ein Wachstumsprozess in ei­ner Beziehung sein? Entweder man liebt sich oder nicht. Meine Frau hat mich von Anfang an nicht ge­liebt und schließ­lich auch ver­las­sen. Wo nichts ist wird auch nichts.

    • Mit Wachstumsprozess mei­nen wir „da­zu­ler­nen“. Wenn wir uns in ei­nen Menschen ver­lie­ben, dann des­we­gen, weil er uns un­be­wusst an Erfahrungen aus der ei­ge­nen Vergangenheit er­in­nert. In Imago nennt man das die „un­be­wuss­te Beziehung“. Wachstum und Entwicklung heißt, den Weg in ei­ne „be­wuss­te“ Beziehungen zu ler­nen, al­so klar zu be­kom­men, was wir da ei­gent­lich in der Beziehung mit­ein­an­der tun.
      Dass dei­ne Frau dich nicht ge­liebt und ver­las­sen hat tut uns leid. Interessant zu wis­sen wä­re, ob du das am Beginn eu­rer Beziehung schon be­merkt hast und wie du dann da­mit um­ge­gan­gen bist.
      Liebe Grüße
      Evelin und Klaus

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