Imago Paartherapie Beziehungsfrage April 2017

Mein Mann hat mich verlassen.

Wie kann ich jemals wieder vertrauen?

Imago Paartherapie Evelin und Klaus Brehm

Mei­ne Fra­ge:

15 Jah­re lang waren wir ein glück­li­ches Paar. So habe ich jeden­falls geglaubt. Bis mein Mann mir eines Tages völ­lig über­ra­schend eröff­ne­te, er hät­te sich ver­liebt. Das war ein Schock für mich. Ich habe nicht im Traum dar­an gedacht, dass mir so etwas pas­sie­ren könn­te.

Wir haben viel gere­det und ich habe alles ver­sucht, damit wir zusam­men­blei­ben. Zu mei­ner gro­ßen Ent­täu­schung hat er mich dann aber doch ver­las­sen. Nicht nur das, schlim­mer noch: Nach unse­rer Schei­dung hat er die Frau gehei­ra­tet, mit der er über zwei Jah­re lang die Affä­re hat­te.

Seit­her bin ich „Vertrauens-verletzt“, wie ich es nen­ne. Kann ich jemals wie­der einem Men­schen ver­trau­en? Ich war mir so sicher, dass ich lie­bens­wert bin und auch geliebt wer­de. Doch die­se Sicher­heit ist mit der Tren­nung ver­lo­ren gegan­gen. Statt­des­sen bin ich vol­ler Miss­trau­en. Ich weiß nicht, ob ich mich jemals wie­der auf eine Part­ner­schaft ein­las­sen kann.

Was wir dazu mei­nen:

Evelin und Klaus Brehm - Imago Paartherapie

Ver­trau­en ist die See­le wirk­li­cher Lie­be, anders als das Feu­er der Ver­zü­ckung wäh­rend einer Ver­liebt­heit.

Ver­trau­en öff­net, macht berühr­bar, ver­letz­lich und erzeugt schein­bar unend­li­che Schmer­zen, wenn es miss­braucht wird. Wir kön­nen gut nach­voll­zie­hen, wie es Dir gehen muss, nach­dem die­ses Ver­trau­en aus dei­ner Sicht so ent­täuscht, so miss­braucht wur­de. Und auch Dein Zwei­fel, ob du dich jemals wie­der ein­las­sen kannst, ist sehr ver­ständ­lich. Wie kann ich wie­der lie­ben, wenn ich so ent­täuscht wur­de?

Wenn ich so „ent­täuscht“ wur­de…! Leid ent­steht durch Täu­schung. Und die wie­der­um setzt eine Erwar­tungs­hal­tung vor­aus, die sich nicht erfüllt. Obwohl Du doch, wie alle Lie­ben­den, fest damit gerech­net hast. Je län­ger Du in einer Illu­si­on der gemein­sa­men Ver­traut­heit gelebt hast, umso schmerz­haf­ter ist die Erkennt­nis, dass eine ver­meint­li­che Nähe und Ver­bun­den­heit viel­leicht nur eine Täu­schung war.

Vertrauen, was ist das?

Aus unse­rer Sicht bedeu­tet Ver­trau­en in Bezie­hung: Ich kann mich dar­auf ver­las­sen: dir sind mei­ne Bedürf­nis­se genau­so wich­tig, wie dir selbst dei­ne eige­nen. Und in dei­nem Han­deln, Den­ken und Füh­len hat unse­re Gemein­sam­keit die glei­che Wich­tig­keit, wie dei­ne Indi­vi­dua­li­tät.

Ich kann mich dar­auf ver­las­sen: du willst und tust mir und uns Gutes.

Ein wenig nüch­ter­ner aus­ge­drückt: dein Ver­hal­ten ist für mich bere­chen­bar in dem Sinn, ich kann mir sicher sein: Bei all dei­nem Tun schätzt du mein Wohl­be­fin­den nicht gerin­ger, als dein eige­nes.

Um das zu erle­ben, braucht es gemein­sa­me Erfah­run­gen. Zusam­men müs­sen bei­de Part­ner immer wie­der aufs Neue Situa­tio­nen erle­ben, in denen sich jeder so ver­hält, dass bei­de sich zuneh­mend siche­rer füh­len.

Und sol­che Erfah­run­gen ent­ste­hen in gemein­sa­men Erleb­nis­sen, oder noch bes­ser, in mit­ein­an­der bewäl­tig­ten Her­aus­for­de­run­gen. Dabei soll­te die Gewiss­heit ent­ste­hen: „Ich kann mich auf dich ver­las­sen“. Das zu spü­ren braucht Zeit und ist ein Ent­wick­lungs­pro­zess, der zwangs­läu­fig nicht rei­bungs­los ver­lau­fen kann.

Vertrauen, warum es enttäuscht wird

In der Ima­go Paar­the­ra­pie gehen wir von ver­schie­de­nen Pha­sen einer Bezie­hung aus. Am Beginn steht immer die Ver­liebt­heit! In die­sem wun­der­ba­ren und fast mys­ti­schen Moment anfäng­li­cher Ver­zau­be­rung ver­trau­en wir dar­auf, von einem voll­kom­men unbe­kann­ten Men­schen all unse­re unbe­wuss­ten und offe­nen Kind­heits­be­dürf­nis­se erfüllt zu bekom­men.

Die­ses Ver­trau­en muss zwangs­läu­fig ent­täuscht wer­den, weil wir ja auf­grund unse­res Ima­go einen Men­schen aus­wäh­len, der nicht oder nur bedingt in der Lage ist, die­se Bedürf­nis­se zu erfül­len. Im Gegen­teil. Wir erwar­ten etwas, das für den Part­ner, die Part­ne­rin, als eine fast nicht zu bewäl­ti­gen­de Her­aus­for­de­rung erscheint.

Das Grund­prin­zip der Ima­go Paar­the­ra­pie heißt „Hei­len und Wach­sen“. Bei­de ler­nen dem jeweils ande­ren zu geben, was er oder sie auf­grund der eige­nen Lebens­ge­schich­te zu wenig bekom­men hat und folg­lich immer noch braucht. Durch die­ses “Geben” kön­nen bei­de Part­ner ler­nen, die eige­nen unbe­wuss­ten Kind­heits­ängs­te zu bewäl­ti­gen.

Nach der Ver­liebt­heits­pha­se kommt übli­cher­wei­se die Zeit der Dif­fe­ren­zie­rung. Hier erle­ben wir, dass das gegen­sei­ti­ge Ver­trau­en vom Beginn unse­rer Bezie­hung zumin­dest teil­wei­se ent­täuscht wird. Näm­lich immer dann, wenn eige­nen Ängs­te stär­ker wer­den als der Wunsch, die Bedürf­nis­se des Gegen­übers zu erfül­len. Beson­ders schwer wird es, soll­ten die­se Bedürf­nis­se unver­ständ­lich, ver­let­zend oder sogar abwer­tend aus­ge­drückt wer­den.

Eine Fol­ge davon ist oft, eige­ne Bedürf­nis­se immer weni­ger aus­zu­drü­cken und so die Angst vor Ent­täu­schung oder Zurück­wei­sung zu ver­mei­den. Um die Bezie­hung jedoch nicht zu ver­lie­ren, passt sich ein Part­ner immer mehr an und erfüllt schein­bar die Vor­stel­lung des ande­ren.

Die eige­nen Wün­sche wer­den unter­drückt, nicht rea­li­siert, und wenn es gar nicht mehr anders geht, zuneh­mend außer­halb der Bezie­hung befrie­digt. So ent­steht die Täu­schung, durch die ein Part­ner glaubt alles ist gut, wäh­rend der ande­re sich Schritt für Schritt aus der Gemein­sam­keit ent­fernt. Para­do­xer­wei­se mit dem Wunsch, dadurch eine Art der Gemein­sam­keit zu erhal­ten. Doch das funk­tio­niert lei­der nie auf Dau­er.

Irgend­wann lässt sich die­se Form der Bezie­hungs­sta­bi­li­sie­rung nicht län­ger auf­recht­erhal­ten. Und bei dem­je­ni­gen, der in der Illu­si­on einer hei­len Bezie­hung leb­te, bricht dann eine Welt zusam­men.

Was also tun?

Wie also zukünf­tig damit umge­hen? Nie­man­den ver­trau­en? Kei­ne Part­ner­schaft mehr ein­ge­hen? Wir glau­ben nicht, dass das eine gute Idee ist.

Viel­mehr gilt es davon aus­zu­ge­hen, dass Dein Part­ner ziem­lich sicher Bedürf­nis­se hat, die den eige­nen Vor­stel­lun­gen und Erwar­tun­gen ent­ge­gen­ste­hen. Und wenn sie nicht erkenn­bar sind oder benannt wer­den, dann soll­test Du nicht davon aus­ge­hen, dass alles gut ist.

Son­dern, im Gegen­teil, auf­merk­sam wer­den und nach­fra­gen: Was fehlt dir in unse­rer Bezie­hung? Was wür­dest du gern ändern? Was kann ich dazu bei­tra­gen, dass es mög­lich ist? Oder auch: wie ver­hal­te ich mich, dass du es mir nicht erzäh­len willst?

Die Ant­wor­ten, die Du dann bekommst sind viel­leicht nicht immer genau das, was Du hören möch­test. Doch Ver­trau­en ent­steht auch aus der gemein­sa­men Bewäl­ti­gung von schein­bar unter­schied­li­chen Bezie­hungs­er­war­tun­gen. Und dafür ist die Offen­heit und Aner­ken­nung der Anders­ar­tig­keit des Gegen­übers die wich­tigs­te Vor­aus­set­zung.

Ähn­li­che Pro­ble­me? Unse­re Bezie­hungs­klä­rung kann hel­fen, dass es nicht soweit kom­men muss. Mehr dazu hier: http://www.brehms.eu/imago-paartherapie/imago-paartherapie/#bzk

 


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